Ratgeber · 20.10.2026 · 6 Minuten
Lastspitzen kappen: Was die höchste Viertelstunde wirklich kostet
Im Gewerbe zahlen Sie nicht nur für Kilowattstunden, sondern für die höchste Viertelstunde des Monats. Was dieser Leistungspreis ausmacht — und was ein Speicher daran ändern kann.

Eine Stromrechnung im Gewerbe hat zwei Teile, und der zweite wird regelmässig übersehen. Der erste zählt, wie viel Strom Sie bezogen haben. Der zweite zählt, wie schnell Sie ihn in der ungünstigsten Viertelstunde bezogen haben.
Dieser zweite Teil heisst Leistungspreis. Er wird nicht auf den Verbrauch gerechnet, sondern auf eine einzige Viertelstunde im Monat — und er läuft weiter, auch wenn der Betrieb in den übrigen 2'975 Viertelstunden sparsam war.
Was dort steht, wörtlich
Ein Beispiel aus einem geltenden Tarifblatt: Die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke führen im Preisblatt Netznutzung für die Lieferperiode 1. Januar bis 31. Dezember 2026 beim Produkt PerformanceNet 50 (Hochspannung mit Viertelstunden-Lastgangzählung) einen Leistungspreis von CHF 6.25 je kW und Monat, abgerechnet «je ¼-h-Monatsmaximum», exklusive Mehrwertsteuer. Zur Ermittlung heisst es dort: «Die Leistungserfassung erfolgt mit einer Messperiode von 15 Minuten. Das absolute Leistungsmaximum wird monatlich …» ermittelt.
Quelle: Produktsammlung Netz 2026, sak.ch, abgerufen am 20.10.2026.
Andere Netzgebiete liegen anders — in Tarifblättern für 2026 finden sich für Niederspannung mit Leistungsmessung verbreitet Werte um CHF 7.50 je kW und Monat, in Mittelspannung auch CHF 12.00. Für Ihren Anschluss gilt das Tarifblatt Ihres Netzbetreibers, nicht ein Durchschnitt.
Was das in Franken heisst
Die Rechnung ist unangenehm einfach:
Leistungspreis × höchste Viertelstunde × 12 Monate
Bei CHF 6.25 je kW und Monat kostet jedes Kilowatt Spitzenleistung CHF 75 im Jahr. Senkt ein Speicher die Monatsspitze dauerhaft um 100 kW, sind das CHF 7'500 pro Jahr — ohne dass eine einzige Kilowattstunde weniger verbraucht würde.
Der Vorbehalt gehört direkt daneben, nicht ins Kleingedruckte: Diese Zahl fällt nur an, wenn der Speicher in jeder Monatsspitze geladen und verfügbar ist. Eine einzige verpasste Viertelstunde setzt den Monatswert auf den alten Stand zurück — der Leistungspreis kennt kein «meistens».
Warum eine Batterie das kann und eine Photovoltaikanlage nicht
Eine Solaranlage senkt die Spitze nur, wenn die Sonne in genau dieser Viertelstunde scheint. Die teuerste Viertelstunde eines Gewerbebetriebs liegt aber oft am frühen Morgen, wenn Kompressoren, Öfen oder Kälteanlagen gleichzeitig anlaufen — und dann liefert das Dach noch nichts.
Ein Speicher ist davon unabhängig. Er braucht aber eine Entscheidung: Dieselben 250 kW können in derselben Viertelstunde entweder die Spitze abfangen oder Strom am Markt verkaufen. Was mehr bringt, hängt am Tarif, am Marktpreis und daran, wie weit der Monat fortgeschritten ist — denn eine Spitze, die diesen Monat schon überschritten wurde, lohnt sich nicht mehr zu verhindern.
Genau diese Abwägung ist der Grund, weshalb die Steuerung über den Ertrag entscheidet und nicht die Grösse der Batterie. Unsere EMS-KI stammt von einem Schweizer Hersteller und ist heute in über 180'000 Systemen im Einsatz; sie trifft diese Entscheidung viertelstündlich, mit Blick auf Verbrauchsprognose, Marktpreis und Ladezustand.
Vier Fragen, bevor Sie rechnen
1. Haben Sie überhaupt eine Leistungsmessung? Ohne Viertelstunden-Lastgang gibt es keinen Leistungspreis — und damit diesen Hebel nicht. In der Regel beginnt die Messung ab rund 50'000 kWh Jahresverbrauch; das Tarifblatt sagt es genau. 2. Wie hoch ist Ihre Monatsspitze, und wann tritt sie auf? Die Antwort steht im Lastgang, den Ihr Netzbetreiber auf Verlangen herausgibt. Ohne diese Datei ist jede Aussage geschätzt. 3. Ist die Spitze planbar oder zufällig? Ein wiederkehrender Anlauf lässt sich zuverlässig kappen, ein einmaliger Sonderbetrieb nicht. 4. Was kostet die Alternative? Eine Anschlussverstärkung ist manchmal günstiger als ein Speicher — und manchmal um ein Vielfaches teurer. Beides gehört nebeneinander gerechnet.
Was in unserer Standardrechnung dazu steht — und was nicht
In unserem durchgerechneten Gewerbebeispiel (150 kWp Photovoltaik, Speicher 500 kWh / 250 kW) erwirtschaftet die Anlage im ersten Jahr CHF 48'141, verteilt auf Eigenverbrauch, Netzstabilisierung über einen Flexibilitätspool, Stromhandel, Ladung, Arbitrage, Wärme und Einspeisung. Die Lastspitzen sind in dieser Summe nicht enthalten — sie hängen am konkreten Anschluss und am Tarifblatt, und wir rechnen keine Position ein, die wir nicht am Objekt belegen können. Bei einem Betrieb mit Leistungsmessung kommt dieser Betrag also hinzu.
Und der Punkt, der in keiner Liegenschaftsrechnung fehlen sollte: Jeder Franken, den die EMS-KI jährlich zusätzlich erwirtschaftet, steigert den Wert der Immobilie um rund das Zwanzigfache — bei einer Kapitalisierung von 5 %. Der genaue Satz hängt von Lage und Nutzung ab.
Der nächste Schritt
Schicken Sie uns Ihren Lastgang, dann sagen wir Ihnen, was Ihre teuerste Viertelstunde kostet und was davon zu holen ist. Die Analyse kostet nichts, und die bestehende Anlage genügt.
Anlage anmelden — Flexibilität zu Geld machen
Ihr Professor Energeek
Was das für Ihre Liegenschaft heisst
Die Zahlen oben gelten allgemein. Was Ihr Objekt trägt, hängt an Dach, Verbrauch und Lastgang — das rechnen wir gemeinsam durch, oder Sie rechnen selbst. Was der Strom in Ihrer Gemeinde kostet, steht in den Strompreisseiten für alle Schweizer Gemeinden.
Strompreise in Ihrem Kanton
Was der Strom bei Ihnen kostet, entscheidet mit darüber, wie viel eine Anlage einbringt. Die Tarife stehen je Gemeinde — hier der Einstieg über den Kanton:
