Ratgeber · 26.10.2026 · 9 Minuten
Die weltgrösste BESS-Batterie mit Vanadium entsteht in der Schweiz — und was das für Ihre Anlage bedeutet
In Laufenburg entsteht die grösste BESS-Batterie mit Vanadium der Welt. Was die Technik kann, warum Grossspeicher zählen und was das für Ihre Anlage heisst.

Auf einen Blick
- Zielausbau des Speichers in Laufenburg aus 108 Einheiten, fertig bis 2029
- 2,1 GWh / 1,2 GWZielbild des Endausbaus. Der Lieferant schreibt von einer Stufe mit 1,5 GWh, die später erweitert werden soll.Quelle: AWP/Keystone-SDA, 25.10.2026, abgerufen 26.10.2026
- Speicherleistung, mit der die Europäische Kommission rechnet; 500 GW bis 2040
- 200 GW bis 2030Bedarfsschätzung, keine Zusage.Quelle: Europäische Kommission, zitiert in AWP/Keystone-SDA vom 25.10.2026
- Bisher grösste Anlage dieser Bauart, in China, betrieben von Rongke Power
- 1 GWh / 200 MWQuelle: AWP/Keystone-SDA, 25.10.2026, abgerufen 26.10.2026
- Was ein Speicher mit einem Megawatt Leistung 2025 im Jahr einbrachte
- bis CHF 335'000Rückblick 2025, keine Zusage. Bei knapp CHF 1 Mio. Investition und einer Lebensdauer von deutlich über 20 Jahren.Quelle: Eigene Angabe, Rückblick 2025
In Laufenburg im Aargau baut die FlexBase-Gruppe ein Technologiezentrum, zu dem der nach eigenen Angaben grösste BESS-Speicher dieser Bauart weltweit gehören soll. Das ist eine Nachricht über ein Grossprojekt. Für Eigentümerinnen und Eigentümer einer Photovoltaikanlage, für Gewerbebetriebe und für Gemeinden ist die eigentliche Nachricht aber eine andere: Was dort im Grossen gebaut wird, ist derselbe Markt, an dem eine Anlage ab 500 kWh Speicherkapazität schon heute teilnehmen kann.
Was in Laufenburg geplant ist
Der Zielausbau umfasst 108 BESS-Einheiten mit Vanadium-Redox-Technik, mit einer Leistung von 1,2 Gigawatt und einer Speicherkapazität von 2,1 Gigawattstunden; das entspricht nach Angaben der Bauherrin dem Strombedarf von 170'000 Haushalten während 24 Stunden. Fertig sein sollen die Batterien bis 2029. Die Gesamtkosten beziffert FlexBase-CEO Marcel Aumer auf 2,5 bis 5 Milliarden Franken, die aus Privatvermögen finanziert werden sollen (Meldung der Nachrichtenagentur AWP/Keystone-SDA vom 25.10.2026, abgerufen am 26.10.2026).
Technikpartner ist das britisch-kanadische Unternehmen Invinity Energy Systems, das im Mai 2026 ausgewählt wurde. Invinity teilte am 11.08.2026 mit, Equans Switzerland als Partner für Planung, Beschaffung und Bau gewonnen zu haben; die Mitteilung spricht von einem System mit 1,5 GWh, das in einer späteren Stufe auf 2,1 GWh erweitert werden soll (invinity.com, abgerufen am 26.10.2026).
Die Zahlen gehören deshalb sauber auseinandergehalten: 2,1 GWh und 1,2 GW sind das Zielbild des Endausbaus, 1,5 GWh die Stufe, über die der Lieferant schreibt. Wer nur die grösste Zahl nennt, erzählt das Projekt grösser, als es heute beauftragt ist.
Zum Vergleich: Die bisher grösste Anlage dieser Bauart steht in China, betrieben von Rongke Power, mit 1 GWh und 200 MW.
Warum ausgerechnet Laufenburg
Der Standort ist kein Zufall. In Laufenburg wurden 1958 die Übertragungsnetze von Deutschland, Frankreich und der Schweiz erstmals zusammengeschaltet — der Beginn des europäischen Verbundnetzes, seither «Stern von Laufenburg» genannt, weil die Leitungen dort sternförmig zusammenlaufen (swissgrid.ch, Unternehmensgeschichte, abgerufen am 26.10.2026). Die Schweiz hängt heute mit 41 Leitungen an den Nachbarländern.
Ein Speicher ist nur so viel wert wie der Anschluss, an dem er hängt. Das gilt für ein Gigawatt-Projekt am Verbundknoten — und im Kleinen für jede Liegenschaft, deren Zähler hinter einem Netzanschluss sitzt, über den sich Leistung verschieben lässt.
Was eine BESS-Batterie mit Vanadium anders macht
Eine Lithium-Batterie speichert Energie in festen Zellen: Leistung und Kapazität wachsen zusammen. Eine BESS-Batterie mit Vanadium trennt beides. Die Energie steckt in einer Elektrolytflüssigkeit in Tanks, die Leistung in den Zellstapeln, durch die sie gepumpt wird. Grössere Tanks heissen mehr Stunden, mehr Stapel heissen mehr Kilowatt. Das macht die Bauart für lange Entladezeiten interessant — und für einen Standort, an dem Platz vorhanden ist, denn sie braucht deutlich mehr davon.
Die Bauherrin gibt an, der Elektrolyt bestehe zu rund drei Vierteln aus Wasser und sei damit weder brennbar noch explosiv. Das ist die Angabe des Projektträgers, keine von uns geprüfte Messung.
Der Preis dieser Eigenschaften ist die Energiedichte. Für ein Mehrfamilienhaus oder eine Gewerbehalle bleibt Lithium auf absehbare Zeit die Technik der Wahl; Diese Bauart spielt ihre Stärke dort aus, wo viele Stunden am Stück und sehr viele Zyklen gefragt sind. Wie eine Lithium-Lösung in diesen beiden Fällen gerechnet wird, steht in den Beiträgen zum Batteriespeicher im Mehrfamilienhaus und zum Batteriespeicher im Gewerbe.
Warum Grossspeicher für das Netz zählen
Strom muss in jedem Augenblick im Gleichgewicht sein. Je mehr Erzeugung vom Wetter abhängt, desto mehr Leistung muss jemand bereithalten, der innert Sekunden hinauf- oder hinunterfahren kann. Genau das ist Regelenergie, und genau dafür taugt ein Speicher besser als fast alles andere: Er kann in beide Richtungen, und er kann es schnell.
Die Europäische Kommission rechnet laut der eingangs genannten Agenturmeldung mit einem Bedarf von 200 Gigawatt Speicherleistung bis 2030 und 500 Gigawatt bis 2040. Gemessen daran ist selbst Laufenburg klein — Marcel Aumer selbst nennt die eigenen 1,2 Gigawatt «nur Tropfen auf den heissen Stein».
Das ist die Stelle, an der das Projekt Sie etwas angeht. Ein Bedarf dieser Grössenordnung wird nicht von einer Handvoll Grossanlagen gedeckt. Er wird auch von vielen kleinen gedeckt, die gebündelt am selben Markt auftreten.
Was das für Eigentümer, Gewerbe und Gemeinden heisst
Ein Speicher, der nur den Eigenverbrauch optimiert, verdient an einer Stelle. Derselbe Speicher, der gesteuert wird, verdient an mehreren: Eigenverbrauch, Stromhandel, Netzstabilisierung, Lastspitzen, ZEV und LEG, Einspeisung, Notstrom und Booster. Welche Kilowattstunde welchen Weg nimmt, entscheidet sich viertelstündlich — und das ist eine Rechenaufgabe, keine Installation.
Unsere Rechnungen beginnen bei Mehrfamilienhäusern sowie Gewerbe und Industrie deshalb bei 500 kWh Kapazität und 250 kW Leistung. Darunter lohnt sich der Aufwand selten; darüber wird aus einer Anlage ein Kraftwerk, das in denselben Märkten steht wie die grossen.
Was dabei herausschauen kann, zeigt der Rückblick: Ein Speicher mit einem Megawatt Leistung brachte 2025 bis zu CHF 335'000 im Jahr — bei knapp CHF 1 Mio. Investition und einer Lebensdauer von deutlich über 20 Jahren. Das ist ein Rückblick auf 2025 und keine Zusage für die Zukunft.
Für eine Gemeinde kommt ein zweiter Punkt dazu: Eigene Liegenschaften, Wasserversorgung, Alterszentrum und Werkhof sind steuerbare Lasten, lange bevor ein Speicher gebaut ist. Wer die Viertelstunde nutzt, braucht dafür nicht zuerst zu investieren. Wie sich Lastspitzen ohne Investition senken lassen, steht im Beitrag Lastspitzen kappen.
Was wir ausdrücklich nicht behaupten
- Wir sind an dem Projekt in Laufenburg nicht beteiligt. Wir berichten darüber, weil es zeigt, wohin der Markt läuft.
- Vanadium als Speichertechnik ist keine Empfehlung für Ihre Liegenschaft. Für Gebäudespeicher in der genannten Grössenordnung ist sie heute weder verfügbar noch wirtschaftlich.
- Die Zahlen zum Projekt stammen aus öffentlichen Meldungen, nicht aus eigener Prüfung, und die Angaben zu Leistung und Kapazität unterscheiden sich je nach Quelle und Ausbaustufe.
- Kein Ertrag ist garantiert. Was eine Anlage am Markt verdient, hängt von Preisen, Standort, Anschluss und Nutzung ab.
Der Weg für Ihre Anlage
Unsere EMS-KI stammt von einem Schweizer Hersteller und ist heute in über 180'000 Systemen im Einsatz. Anmeldung und Onboarding kosten nichts, die bestehende Anlage genügt, und verdient wird erst, wenn die Anlage verdient.
Und ein Punkt, der in keiner Liegenschaftsrechnung fehlen sollte: Jeder Franken, den die EMS-KI jährlich zusätzlich erwirtschaftet, steigert den Wert der Immobilie um rund das Zwanzigfache — bei einer Kapitalisierung von 5 %. Der genaue Satz hängt von Lage und Nutzung ab.
Anlage anmelden — Flexibilität zu Geld machen
Quellen: AWP/Keystone-SDA, 25.10.2026, über cash.ch · Invinity Energy Systems, 11.08.2026 · Swissgrid, Unternehmensgeschichte — alle abgerufen am 26.10.2026.
Richtwerte, keine Zusicherung von Erträgen, keine Anlageempfehlung. Massgebend ist die individuelle Berechnung.
Häufige Fragen
- Was ist eine BESS-Batterie mit Vanadium?
- Ein Batteriespeicher (BESS), der die Energie in einer Elektrolytflüssigkeit in Tanks hält statt in festen Zellen. Leistung und Kapazität lassen sich dadurch getrennt auslegen: mehr Tankvolumen heisst mehr Stunden, mehr Zellstapel heisst mehr Kilowatt.
- Wie gross wird die Anlage in Laufenburg?
- Das Zielbild sind 2,1 GWh Kapazität und 1,2 GW Leistung aus 108 Einheiten, fertig bis 2029. Der Lieferant schreibt von einer Stufe mit 1,5 GWh, die später auf 2,1 GWh erweitert werden soll. Die Angaben stammen aus öffentlichen Meldungen, nicht aus eigener Prüfung.
- Ist eine BESS-Batterie mit Vanadium sicherer als eine mit Lithium?
- Die Bauherrin gibt an, der Elektrolyt bestehe zu rund drei Vierteln aus Wasser und sei weder brennbar noch explosiv. Das ist ihre Angabe. Für Gebäudespeicher gelten in der Schweiz unabhängig davon die Brandschutzvorschriften der VKF und die Vorgaben des Herstellers.
- Lohnt sich eine BESS-Batterie mit Vanadium für ein Mehrfamilienhaus oder eine Gewerbehalle?
- In aller Regel nicht. Sie braucht viel Platz und spielt ihre Stärke bei langen Entladezeiten und sehr vielen Zyklen aus. Für Gebäude bleibt Lithium auf absehbare Zeit die Technik der Wahl.
- Was hat ein Grossprojekt wie Laufenburg mit meiner Anlage zu tun?
- Es ist derselbe Markt. Netzstabilisierung, Stromhandel und Lastspitzen stehen auch einer gesteuerten Anlage ab rund 500 kWh und 250 kW offen, gebündelt über einen Pool. Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern darin, ob jemand die Viertelstunde bewirtschaftet.
Was das für Ihre Liegenschaft heisst
Die Zahlen oben gelten allgemein. Was Ihr Objekt trägt, hängt an Dach, Verbrauch und Lastgang — das rechnen wir gemeinsam durch, oder Sie rechnen selbst. Was der Strom in Ihrer Gemeinde kostet, steht in den Strompreisseiten für alle Schweizer Gemeinden.
Strompreise in Ihrem Kanton
Was der Strom bei Ihnen kostet, entscheidet mit darüber, wie viel eine Anlage einbringt. Die Tarife stehen je Gemeinde — hier der Einstieg über den Kanton:
