Batteriespeicher im Mehrfamilienhaus: Wann lohnt er sich?

Ein Speicher rechnet sich nicht über die Kilowattstunde, die er lagert, sondern über die Differenz zwischen dem, was Strom kostet, und dem, was er einbringt. Was das 2026 konkret heisst.

Wandmontierter Batteriespeicher in einer Garage, daneben ein ladendes Fahrzeug

Die Frage wird uns fast wöchentlich gestellt, und meistens in dieser Form: «Wie viele Kilowattstunden Speicher brauche ich?» Das ist die zweite Frage. Die erste lautet: Was ist bei Ihnen eine Kilowattstunde wert — und was kostet sie? Aus der Differenz dieser beiden Zahlen entsteht der ganze Ertrag eines Speichers. Alles andere ist Technik.

Die Schere, aus der der Ertrag entsteht

Zwei Zahlen aus dem Jahr 2026 beschreiben den Rahmen.

Was Strom kostet. Der mediane Tarif für das Haushaltsprofil H4 liegt 2026 bei 27.7 Rappen pro Kilowattstunde. Der Energieanteil daran beträgt im Median 12.11 Rappen, die Netznutzung 10.75 Rappen; der Rest verteilt sich auf Messtarif, Netzzuschlag, Stromreserve und Abgaben an Gemeinwesen. (Quelle: ElCom, FAQ Stromtarife, abgerufen 26.09.2026. Die Medianwerte der einzelnen Bestandteile addieren sich nicht exakt zum Gesamtmedian — jeder Median wird für sich gebildet.)

Was Strom einbringt, wenn er ins Netz geht. Seit dem 1. Januar 2026 richtet sich die Vergütung nach Art. 15 Abs. 1bis des Energiegesetzes: «Die Vergütung für Elektrizität aus erneuerbaren Energien richtet sich nach dem vierteljährlich gemittelten Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung. Der Bundesrat legt für Anlagen mit einer Leistung von weniger als 150 kW Minimalvergütungen fest.» (Quelle: Fedlex, SR 730.0, Fassung vom 1.1.2026.) Festgelegt hat er sie in der Energieverordnung: 6 Rappen für Photovoltaikanlagen unter 30 kW, 6,2 Rappen ab 30 kW ohne Eigenverbrauch — und für Anlagen ab 30 kW mit Eigenverbrauch anteilig, nämlich 6 Rappen für den Leistungsanteil unter 30 kW und 0 Rappen für den Anteil darüber. Gerade im Mehrfamilienhaus mit grösserer Anlage gibt es für den oberen Teil also gar keine Untergrenze. (Quelle: Fedlex, Energieverordnung SR 730.01, Art. 12 Abs. 1bis, Fassung in Kraft seit 1.1.2026, am 26.09.2026 im Volltext geprüft.)

Dazwischen liegen rund zwanzig Rappen. Eine Kilowattstunde, die Sie auf dem Dach erzeugen und selbst verbrauchen, ist für Sie etwa 27.7 Rappen wert. Dieselbe Kilowattstunde, ins Netz geschoben, bringt etwa sechs. Ein Speicher verdient nichts, weil er Strom lagert — er verdient, weil er eine Kilowattstunde von der einen Seite dieser Schere auf die andere holt.

Merken Sie sich diese Zahl: Jede Kilowattstunde, die ein Speicher vom Netz in den Eigenverbrauch verschiebt, ist rund 20 Rappen wert. Daraus lässt sich alles Weitere ableiten.

Warum das Mehrfamilienhaus der bessere Ort ist als das Einfamilienhaus

In einem Einfamilienhaus ist tagsüber oft niemand zu Hause. Die Anlage produziert am Mittag am meisten, verbraucht wird morgens und abends. Der Speicher muss die ganze Mittagsproduktion aufnehmen und über den Abend wieder abgeben — er arbeitet hart für einen schmalen Bedarf.

Im Mehrfamilienhaus überlagern sich die Verbrauchsprofile mehrerer Haushalte. Jemand ist im Homeoffice, eine Waschmaschine läuft, die Wärmepumpe zieht, das Treppenhauslicht, der Lift, die Lüftung. Der Grundverbrauch ist höher und gleichmässiger — und damit steigt der Anteil der Produktion, der ohne jeden Speicher direkt verbraucht wird. Der Speicher muss dann nur noch die Spitze über den Abend tragen, nicht den ganzen Tag.

Das hat eine unbequeme Kehrseite, die Ihnen ein Verkäufer selten nennt: Je besser Ihr Direktverbrauch, desto kleiner der Speicher, der sich rechnet. Ein Speicher, der zu gross ist, steht die halbe Zeit leer und kostet trotzdem.

Die vier Zahlen, die über das Ergebnis entscheiden

Wer eine Speichergrösse bestimmen will, braucht vier Angaben. Alles andere ist Schätzung.

1. Der Lastgang, nicht der Jahresverbrauch. «Wir brauchen 80'000 kWh im Jahr» sagt fast nichts. Entscheidend ist, wann. Ihr Netzbetreiber stellt Ihnen die Viertelstundenwerte der letzten Jahre zur Verfügung — bei einem intelligenten Messsystem ist das eine Datei, kein Projekt. Aus ihr lesen Sie ab, wie viel Sie mittags tatsächlich selbst verbrauchen könnten.

2. Die Erzeugung über den Tag, nicht über das Jahr. Eine Anlage nach Süden liefert eine schmale, hohe Mittagsspitze. Eine Ost-West-Anlage liefert weniger im Jahr, aber breiter über den Tag — und passt damit oft besser zum Verbrauch. Für den Speicher ist die zweite Variante die freundlichere.

3. Der Preis pro nutzbarer Kilowattstunde. Nicht pro installierter. Die Differenz ist erheblich und wird in Offerten gern verwischt. Als Marktbeobachtung für die Schweiz lagen die Preise 2025 bei etwa 700 bis 1'000 Franken pro nutzbarer Kilowattstunde für kleine Heimspeicher und um 650 Franken bei Grössen von 20 bis 30 kWh (Quelle: energieheld.ch, Marktübersicht Stromspeicher, Stand 2025). Das ist eine Beobachtung, keine Zusicherung — verlangen Sie Offerten und vergleichen Sie auf der nutzbaren Kapazität.

4. Die Zyklen, die der Hersteller garantiert — und die Sie tatsächlich fahren. Ein Speicher, der einen Zyklus pro Tag schafft, verschiebt im Jahr rund 365 Mal seine nutzbare Kapazität. Bei 20 Rappen Differenz je Kilowattstunde ergibt das den jährlichen Rohertrag. Rechnen Sie ihn selbst: nutzbare kWh × Zyklen pro Jahr × 0.20 Franken. Ziehen Sie davon Wirkungsgradverluste ab — ein Lithium-Speicher gibt nicht zurück, was er aufnimmt.

Diese Rechnung ist bewusst grob. Sie liefert Ihnen in zwei Minuten die Grössenordnung, und die genügt, um zu erkennen, ob sich das Weiterrechnen lohnt.

Was sich 2026 geändert hat — und den Speicher besser stellt

Zwei Neuerungen wirken zugunsten von Speichern in Mehrfamilienhäusern.

Die Minimalvergütung ist eine Untergrenze, keine Zielgrösse — und über 30 kW mit Eigenverbrauch gibt es sie nicht einmal. Wer sechs Rappen oder weniger für eingespeisten Strom bekommt und 27.7 Rappen für bezogenen bezahlt, hat einen Anreiz, so wenig wie möglich einzuspeisen. Vor einigen Jahren, als manche Netzbetreiber noch zwölf oder fünfzehn Rappen vergüteten, war diese Schere schmaler — und der Speicher entsprechend unattraktiver.

Die lokale Elektrizitätsgemeinschaft eröffnet einen zweiten Absatzweg. Seit dem 1. Januar 2026 können sich Endverbraucher, Erzeuger und Speicherbetreiber innerhalb einer Gemeinde zu einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft zusammenschliessen und selbst erzeugten Strom untereinander absetzen (Art. 17d StromVG). Damit ist der Nachbar ein möglicher Abnehmer — nicht mehr nur das Netz zu sechs Rappen. Wie das funktioniert und welche Bedingungen gelten, lesen Sie in unserem Beitrag zur LEG.

Wann er sich nicht lohnt

Damit dieser Text nicht einseitig bleibt — drei Fälle, in denen wir abraten:

  • Sie haben noch keine Anlage. Dann ist die Photovoltaik der erste Schritt, nicht der Speicher. Ohne eigene Erzeugung verschiebt ein Speicher nur teuren Netzstrom in eine andere Stunde.
  • Ihr Direktverbrauch ist schon hoch. Ein Gewerbebetrieb, der mittags läuft, verbraucht seinen Solarstrom ohnehin sofort. Der Speicher bekommt dann kaum etwas zu tun.
  • Das Dach wird in den nächsten Jahren saniert. Dann warten Sie, und planen Sie beides zusammen. Zweimal Gerüst ist teurer als einmal.

Was Sie als Nächstes tun können

Rechnen Sie es durch, bevor Sie eine Offerte einholen. Unser Energie-Rendite-Simulator nimmt Anlagengrösse, Verbrauch, Speicher und Finanzierung auf und zeigt Ihnen Cashflow, Amortisation und Renditekennzahlen — mit den hinterlegten Marktdaten und ihren Quellen. Sie brauchen dafür kein Konto.

Wenn Sie lieber jemanden auf Ihre konkreten Zahlen schauen lassen: Auf Renditepotenzial aus Ihrer Immobilie sehen Sie, was eine Potenzialanalyse liefert und welche Angaben wir dafür brauchen.


Dieser Beitrag beschreibt allgemeine Zusammenhänge und ersetzt keine Prüfung Ihrer Liegenschaft. Alle Zahlen sind mit Quelle und Stand angegeben; Tarife und Vergütungen ändern jährlich. Es werden keine Erträge zugesichert.

Was das für Ihre Liegenschaft heisst

Die Zahlen oben gelten allgemein. Was Ihr Objekt trägt, hängt an Dach, Verbrauch und Lastgang — das rechnen wir gemeinsam durch, oder Sie rechnen selbst. Was der Strom in Ihrer Gemeinde kostet, steht in den Strompreisseiten für alle Schweizer Gemeinden.