Agri-PV Schweiz: Strom vom Acker — was ein Hof mit Speicher und EMS-KI zusätzlich verdienen könnte

Die grösste Agri-PV-Anlage der Schweiz schützt Heidelbeeren vor Hagel und Hitze. Was ein Hof mit Speicher und EMS-KI beim Strom zusätzlich verdienen könnte.

Agri-PV: aufgeständerte Photovoltaik über einer bewirtschafteten Ackerfläche

Die grösste Agri-PV-Anlage der Schweiz steht seit September 2026 im waadtländischen Lovatens. Über 1,8 Hektaren Bio-Heidelbeeren tragen Pfeiler in 3,2 Metern Höhe 5'220 Module. Sie produzieren nach Angaben der Betreiber rund 2'400 MWh Strom pro Jahr, genug für rund 955 Haushalte.

Die Landwirtschaft gewinnt bereits. Beim Strom bleibt Geld liegen — und genau dort setzt ein Batteriespeicher mit KI-gesteuertem Energiemanagement an.

Was die Agri-PV-Anlage heute leistet

  • Schutz der Kultur: Die Module halten Hagel, Frost, Starkregen und Hitze ab. SRF berichtet von fünf bis sechs Grad tieferen Temperaturen unter den Panels, grösseren Früchten und mehr neuen Trieben.
  • Ernte gerettet: Im Hitzesommer 2026 litten die ungeschützten Sträucher sichtbar, die überdachten deutlich weniger.
  • Kein Risiko für den Landwirt: Romande Energie finanziert die Anlage, betreibt sie 30 Jahre lang und vermarktet den Strom. Der Betrieb trägt laut Medienmitteilung weder Investitions- noch Marktrisiken.

Wo die Rechnung bei Agri-PV hakt

Agri-PV-Anlagen sind im Bau rund 20 Prozent teurer als vergleichbare Dachanlagen, erhalten aber dieselben Förderbedingungen (Romande Energie gegenüber SRF). Wer den Strom nicht selbst verbraucht, speist ihn ein und ist den Schwankungen der Vergütung ausgesetzt.

Die ZHAW hält in ihrem Bericht vom März 2026 fest: Fehlen lokale Stromabnehmer, sinkt die Rentabilität meist deutlich. Seit dem 1. Januar 2026 richtet sich die Vergütung nach dem vierteljährlich gemittelten Marktpreis (Art. 15 Abs. 1bis EnG). Mittags, wenn alle Solaranlagen gleichzeitig liefern, ist dieser Preis am tiefsten.

Was Speicher und EMS-KI bei Agri-PV ändern würden

Die EMS-KI entscheidet alle 15 Minuten, wohin jede Kilowattstunde fliesst: in den Eigenverbrauch, in den Speicher, in den Regelenergiemarkt oder ins Netz. Auf einem Landwirtschaftsbetrieb gibt es dafür typische Abnehmer:

  • Kühlräume für frisch geerntete Beeren und Obst
  • Bewässerungspumpen, die im Sommer genau dann laufen, wenn die Sonne scheint
  • Sortier-, Wasch- und Verpackungsanlagen, Hofladen und Wohnhaus
  • Wärmepumpe, Hoflader und Elektrofahrzeuge

Was der Hof nicht selbst braucht, verschiebt der Speicher in die Abendstunden. Seit 2026 kommen zwei Wege dazu: die lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG), über die Strom an Nachbarn in derselben Gemeinde geht, und die Vermarktung der Speicher-Flexibilität am Regelenergiemarkt. Wie beides zusammenspielt, steht in Agri-PV Eigenverbrauch und Speicher: warum ohne Stromabnehmer selten etwas rentiert und, für Mehrfamilienhäuser gerechnet, in LEG ab 2026.

Eine Rechenhilfe — kein Versprechen

Jede Kilowattstunde, die vor Ort genutzt statt eingespeist wird, ist die Differenz zwischen Bezugspreis und Vergütung wert. Der schweizweite Haushaltsmedian 2027 liegt bei 26.5 Rp./kWh (ElCom). Kleine Anlagen erhalten mindestens 6 Rp./kWh, grosse Anlagen wie eine Agri-PV meist nur den Marktpreis. Die Spanne beträgt damit rund 20 Rappen oder mehr. Gewerbetarife liegen oft tiefer als der Haushaltstarif, die Spanne ist dort entsprechend kleiner.

Rechenbeispiel: Würden nur fünf Prozent einer Jahresproduktion von 2'400 MWh auf dem Hof genutzt, also 120 MWh, ergäbe diese Spanne rund CHF 24'000 pro Jahr. Dazu kommen allfällige Flexibilitätserlöse des Speichers: bis CHF 335'000 pro MW Leistung und Jahr über alle Vermarktungswege – bei knapp CHF 1 Mio. Investition und einer Lebensdauer von deutlich über 20 Jahren. Rückblick 2025, keine Zusage.

Die Rechtsgrundlagen dazu im Einzelnen: Rückliefertarif 2026: Warum Eigenverbrauch mehr bringt als Einspeisen.

Was wir nicht behaupten

  • Wir kennen weder den Vertrag in Lovatens noch den Verbrauch des Betriebs. Das Rechenbeispiel zeigt die Mechanik, keine Aussage über diesen Hof.
  • Die EMS-KI verändert nichts an der Kultur. Den agronomischen Nutzen liefert die Überdachung.
  • Flexibilitätserlöse hängen vom Markt, von der Speichergrösse und von der Präqualifikation ab.

Was das für Ihren Betrieb heisst

Wer eine Agri-PV-Anlage plant oder betreibt, sollte zuerst wissen, wie viel Strom der Hof zu welcher Viertelstunde braucht. Daraus folgt, ob sich ein Speicher lohnt und wie viel des Ertrags auf dem Hof bleibt. Unsere EMS-KI stammt von einem Schweizer Hersteller und ist heute in über 180'000 Systemen im Einsatz. Und ein Punkt, der in keiner Liegenschaftsrechnung fehlen sollte: Jeder Franken, den die EMS-KI jährlich zusätzlich erwirtschaftet, steigert den Wert der Immobilie um rund das Zwanzigfache – bei einer Kapitalisierung von 5 %. Der genaue Satz hängt von Lage und Nutzung ab. Potenzialanalyse starten — kostenlos, oder gleich Anlage anmelden — Flexibilität zu Geld machen.

Die Agri-PV-Serie

Quellen: SRF, 24.10.2026 · Romande Energie / Insolight, 09.09.2026 · ZHAW, 02.09.2026 · ElCom Strompreise — alle abgerufen am 24.10.2026.

Rechtsstand 1. Januar 2026. Richtwerte, keine Zusicherung von Erträgen, keine Anlageempfehlung. Massgebend ist die individuelle Berechnung.

Häufige Fragen

Wie viel Strom liefert die grösste Agri-PV-Anlage der Schweiz?
Die Anlage im waadtländischen Lovatens trägt auf 1,8 Hektaren 5’220 Module und produziert nach Angaben der Betreiber rund 2’400 MWh pro Jahr, genug für rund 955 Haushalte.
Warum bringt ein Speicher bei Agri-PV zusätzlichen Ertrag?
Weil eingespeister Strom seit dem 1. Januar 2026 nur den vierteljährlich gemittelten Marktpreis erhält (Art. 15 Abs. 1bis EnG) und dieser mittags am tiefsten ist. Der Speicher verschiebt diesen Strom in den Abend oder in die Vermarktung der Flexibilität.
Welche Verbraucher auf einem Hof passen zu Agri-PV?
Kühlräume für Beeren und Obst, Bewässerungspumpen, Sortier-, Wasch- und Verpackungsanlagen, Hofladen und Wohnhaus sowie Wärmepumpe, Hoflader und Elektrofahrzeuge.
Was bringt die Flexibilität eines Batteriespeichers?
Über alle Vermarktungswege bis CHF 335’000 pro MW Leistung und Jahr, bei knapp CHF 1 Mio. Investition und einer Lebensdauer von deutlich über 20 Jahren. Das ist ein Rückblick auf 2025 und keine Zusage; die Erlöse hängen von Markt, Speichergrösse und Präqualifikation ab.

Was das für Ihre Liegenschaft heisst

Die Zahlen oben gelten allgemein. Was Ihr Objekt trägt, hängt an Dach, Verbrauch und Lastgang — das rechnen wir gemeinsam durch, oder Sie rechnen selbst. Was der Strom in Ihrer Gemeinde kostet, steht in den Strompreisseiten für alle Schweizer Gemeinden.

Strompreise in Ihrem Kanton

Was der Strom bei Ihnen kostet, entscheidet mit darüber, wie viel eine Anlage einbringt. Die Tarife stehen je Gemeinde — hier der Einstieg über den Kanton: